Dokumentarfilm Kino Bielefeld #38 EINE KRANKHEIT WIE EIN GEDICHT #39 WATCHING PEOPLE WATCHING BIRDS
Liebe Dokumentarfilmfreundinnen und -freunde, liebe Filminteressierte,
unserer Programmreihe geht in die nächste Runde und wir haben das Motto etwas modifiziert. Es bleibt dabei: Das Filmhaus präsentiert, aber nun arbeiten wir unter dem Titel „Dokumentarfilm Kino Bielefeld“. Es geht uns darum, Euch besondere Dokumentarfilme zu präsentieren, die unbedingt die große Kinoleinwand benötigen. Möglichst live mit einem Gast, manchmal vielleicht aber auch einfach der Film solo. Lasst Euch überraschen, lasst uns miteinander über die Filme sprechen. Aktuell besteht die Programmgruppe zum „Dokumentarfilm Kino Bielefeld“ aus Daniela Abke, Beate Middeke und Jörg Erber. Anregungen sind jederzeit willkommen!
Wir starten in den Herbst mit zwei Veranstaltungen innerhalb einer Woche, wie immer im großen Saal in der Kamera:
Dienstag, 6. Oktober, 19Uhr: „EINE KRANKHEIT WIE EIN GEDICHT“ von Jelena Ilic, die uns auch besuchen wird. Moderation: Beate Middeke

Drogeninduzierte, chronifizierte, schizo-affektive Psychose des manischen Formenkreises, Typ polytox, kein morphin Typ – das ist die Diagnose meines Vaters. Übersetzt bedeutet das, dass er immer wieder denselben Kreislauf durchlebt: er verfällt in drogen-induzierte Psychosen, wird in Psychiatrien ausgenüchtert und versinkt danach in depressiver Scham. Während dieser Psychosen ist er unberechenbar und lebt seine Gewalt offen aus, gegen die Menschen in seinem Umfeld. Für mich ist er jedoch nicht nur ein Täter, dessen Taten ich zutiefst verurteile, sondern auch ein Mensch, den ich liebe und ein Künstler, den ich bewundere. Seine Psychosen und Innenwelten hat er in Fotografien, Malereien und Skulpturen verewigt und dokumentiert.

Auch unsere Beziehung wird in Kunst festgehalten, in einem gemeinsamen Comicbuch, dessen Seiten wir abwechselnd mit Zeichnungen füllen. Er kämpft gegen sich selbst, seine Krankheit und gegen das System. Und ich an seiner Seite. Der mehrfache Publikumspreisgewinner EINE KRANKHEIT WIE EIN GEDICHT ist ein vor kreativen Einfällen sprudelnder Film voller Wärme und Humor über umgekehrte Eltern-Kind-Rollen, die Poesie im Chaos und das Durchdringen einer Krankheit.
Länge: 84min, Deutschland 2026
–
Donnerstag, 8. Oktober, 19Uhr: „WATCHING PEOPLE WATCHING BIRDS” von Michael Loeken und Ulrike Franke. Sie stellen ihren Film persönlich in Bielefeld vor. Moderation: Jörg Erber

Die Zahl und die Diversität der Vögel gehen weltweit dramatisch zurück. Gleichzeitig entdecken immer mehr Menschen die Welt der Vögel für sich: Sie alle haben eine ganz eigene Geschichte, die sie zu Birdwatchern gemacht hat. Der Blick durchs Fernglas ist dabei auch eine Suche nach etwas Ursprünglichem, Einzigartigem, Wahrem. Auf fast magische Weise scheint sich diese Suche auf den Zuschauer zu übertragen, als ginge man mit geschärften Sinnen aus dem Kino in eine andere Welt. Unser Film wendet den Blick von den Vögeln zurück auf die Menschen, die uns mit ihrer Liebe zu den Vögeln und ihrer Hingabe zur Natur begeistern. So begegnen wir auch dem weltberühmten Autor Jonathan Franzen, der sagt: „Ein Grund, warum Wildvögel so wichtig sind (…) ist der, dass sie unsere letzte, beste Verbindung zu einer natürlichen Welt darstellen, die ansonsten im Schwinden begriffen ist.“

Umweltpolitisch brisant, ernst, aber auch humorvoll, zeichnet der Film in cineastischen Bildern und intensiven Soundwelten das Bild einer Gesellschaft in einer großen Krisen- und Umbruchsituation. Der Film wird zur Erzählung von Zweifel und Hoffnung, Leben und Tod, vom Bleiben und Verschwinden. Und die Vögel werden auf eine berauschende, fast unheimliche Art zur Metapher für den Zustand der Welt.
Länge: 92min, Deutschland 2026


