Besondere Dokumentarfilme mit Gästen #29 bis #33

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Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Filmhaus präsentiert besondere Dokumentarfilme mit Gästen“ konnten wir von Januar bis April 2026 in unserem Kino „Kamera“ weitere 5 Filme zeigen mit sehr großem Publikumszuspruch.

SEDIMENTE von Laura Coppens war am Di. 13. Januar als #29 der passende Start in das neue Dokumentarfilmjahr 2026 in der Kamera.

Der Film folgt den Spuren einer Familie und legt Schicht für Schicht die Verschränkungen zweier Diktaturen frei. Ausgangspunkt sind Gespräche der Filmemacherin mit ihrem Grossvater, der aus Angst vor Gedächtnisverlust das Schweigen überwindet. Der Film begibt sich auf eine Reise durch verschiedene Zeitschichten und beleuchtet mehrere Epochen der deutschen Geschichte – den Nationalsozialismus, die DDR und die Nachwendezeit. Wie sind wir geworden, wie wir heute sind? Ein Film über Erinnern, Vergessen und persönliche Verantwortung in einer Diktatur.

„Sedimente ist ein großartiges Stück Dokumentararbeit: Er rekapituliert Geschichte und macht die Unmöglichkeit bewusst, „die ganze Wahrheit“ zu erfahren. Und beiläufig porträtiert er eine Opa-Enkelin-Beziehung, die belegt, dass Historisches und Persönliches sich sehr verschieden anfühlen können. „Hätte ich mich anders verhalten sollen?“, fragt der Großvater mit entwaffnender Offenheit und Verletzlichkeit seine Enkelin.“ (Der Freitag | Barbara Schweizerhof).

Ein bewegender Film und ein tolles Gespräch nachher im Kino. Vielen Dank.

Am Sonntag, den 1. Februar gab es eine Matinee mit Philipp Döring und seinem Film #30: „PALLIATIVSTATION„.

Trotz der monumentalen Länge von 245min. hatten wir ein ausverkauftes Kino. Philipp Döring hat einen ergreifenden Film erstellt. Ganz im Stil des „direct cinema“ zeigt er uns sehr persönliche Blicke auf Menschen in Extremsituationen, ohne voyeuristisch zu sein. Sehr empathisch und respektvoll.

Der Film begleitet den Alltag auf der Palliativstation des Franziskus-Krankenhaus Berlin über mehrere Wochen, um diesen Fragen nachzugehen. Nicht um jeden Preis dem Leben mehr Zeit, sondern der verbleibenden Zeit mehr Leben zu geben – das ist ein Grundsatz der Palliativmedizin. Die Lebensqualität des Patienten und sein subjektives Wohlbefinden stehen im Vordergrund. An die Stelle der kurativen Therapie tritt die Symptomkontrolle und die Behandlung von psychologischen, sozialen und spirituellen Problemen.

In langen Einstellungen beobachtet Philipp Döring die Gespräche und Begegnungen der Ärzte, Pfleger und Therapeuten mit den Patienten und ihren Angehörigen. Die Behandler sehen sich dabei mit komplexen medizinischen, ethischen, psychologischen und juristischen Fragen konfrontiert, auf die es letzten Endes immer nur individuelle Antworten geben kann – denn jeder Mensch muss seinen eigenen Umgang mit dem Sterben finden.

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Was für uns ein wundervoller Abend am Freitag, 27. Februar mit der #31 NONNA und Vincent Graf in der Kamera. Ein sehr gut aufgelegter Regisseur, der sich trotz Bahnchaos in Bielefeld auf den Weg zu uns gemacht hat, ein tolles Publikum und sehr gute Gespräche.

Vielen Dank an die deutsch-italienische Gesellschaft für die wunderbare Kooperation. Das Highlight des Abends war ein Videocall aus dem Kino, den Vincent Graf initiiert hatte, um seine Nonna live mit einzubeziehen. Das war grandios und hat den Abend im Kino unvergesslich gemacht.

„NONNA“-Rosa hat über drei Jahrzehnte in Deutschland gelebt und gearbeitet, mit dem hart verdienten Geld wurde zu Hause, in Süditalien, ein Haus gebaut. Es war ursprünglich als Sicherheit für die ganze Familie gedacht, aber die blieb in Deutschland, als Rosa Ende der 1990er dort einzog. Seit ihr Mann gestorben ist, betreibt sie darin allein ein doppelstöckiges Bed-and-Breakfast, das seine beste Zeit bereits hinter sich hat. Ihre täglichen Routinen sind von Mühsal und Enttäuschung geprägt: Die Schufterei wird im Alter nicht leichter, Reinigungskräfte sind schwer zu finden, mit der Region geht es immer weiter abwärts. Rosa hat schlechte Laune, beklagt sich im Stillen und streitet laut mit dem Bruder, der nebenan wohnt. Die Familie ist weit weg und die Verbindung oft schlecht. Nur die regelmäßigen Fahrten ans nahe Meer, das auch im Winter schön ist, machen sie glücklich. Was tun mit einem Vermächtnis, das niemand haben will?

Am Dienstag, 17. März hatten wir #32 NO MERCYund Isa Willinger zu Gast im Kino. Ein toller Film, der uns im rasanten Tempo durch die aktuelle Filmgeschichte aus weiblicher Sicht führt. Eine Reise um die Welt, Regisseurinnen aus Amerika, Afrika, Asien und Europa, eine große Seminarstunde, grandios in Szene gesetzt. Leider gab es zwei, drei Hakler bei unserem Zoom mit Isa Willinger, aber Beate Middeke als Moderatorin konnte das sehr gut umschiffen.

Und dann am 9. April hatten wir mal wieder ein ausverkauftes Haus mit #33: „TROTZ ALLEDEM von Robert Krieg.

Vielen Dank dem Regisseur Robert Krieg, der viel zum Film und zum aktuellen Stand der Frauenprojekte nach dem Zusammenbruch des Assad-Regimes berichten konnte. Dank auch an Emine Gözen von der Initiative „Frieden und Hoffnung“ e.V., für ihre Unterstützung und die vielen wichtigen Informationen zum Land.

Im vom Krieg gezeichneten Norden Syriens entsteht etwas Unerwartetes: Hoffnung. Inmitten von Ruinen, Bedrohung und Entbehrung behaupten sich Frauen in Rojava mit bemerkenswerter Entschlossenheit. Sie gründen Dörfer, unterrichten Kinder, bauen Werkstätten – und verteidigen nicht nur ihr Leben, sondern eine Vision von Freiheit und Gleichberechtigung. Regisseur Robert Krieg zeigt das alltägliche Überleben und den außergewöhnlichen Mut, von Selbstermächtigung in einer Region, die weltweit kaum Beachtung findet.

 

Die Dokumentarfilmreihe geht weiter! Ihr dürft Euch schon auf die nächsten Veranstaltungen freuen:

#34 „BRAZILS HAUS“ von Branko Šimić

#35 „Friendly Fire“ von Klaus Fried und Juila Albrecht

#36 „DIRECT ACTION“ von Guillaume Cailleau und Ben Russel